Gelesen | Sarah J. Maas: Throne of Glass - Kriegerin im Schatten

Mittwoch, 8. März 2017



dtv (2014) | Hardcover | 544 Seiten | 17,95€ | Throne of Glass | Leseprobe? Hier entlang!

! Hierbei handelt es sich um die Rezension zum zweiten Band einer Reihe !

Celaena hat sich in einem unerbittlichen Wettkampf gegen ihre Konkurrenten durchgesetzt und ist nun Champion des Königs. Nach seinen Vorgaben soll sie unliebsame Gegner beseitigen, die dessen grausame Herrschaft beenden wollen. Doch statt sie aus dem Weg zu räumen, warnt Celaena seine Feinde und ermöglicht ihnen so die Flucht. Dieses Geheimnis verbirgt sie zunächst selbst vor Chaol, zu dem sie sich gegen ihren Willen immer mehr hingezogen fühlt. Wie sehr kann sie ihm vertrauen? Schließlich ist Chaol der Captain der königlichen Leibgarde. Soll sie auf ihr Herz oder ihren Verstand hören?

BUCHGEDANKEN

Hätte ich Kriegerin im Schatten nicht bereits im Regal stehen gehabt, hätte ich es wohl nie gelesen - vielleicht wäre das auch besser gewesen. Nachdem mich der erste Band Die Erwählte überhaupt nicht mit stereotypischen Figuren und eine fast nicht vorhandenen Handlung überzeugen und fesseln konnte, wollte ich es doch (wenn es schon gekauft ist) mit dem zweiten Band versuchen.
  
Celaena hat das "tödliche" Turnier des Königs von Adarlan gewonnen und ist nun der Champion des grausamen Tyranns, für den sie nun seine Widersacher ausschalten soll. Die Liste ihrer Opfer ist lang, aber anstatt sie wie befohlen ins Jenseits zu schicken, ermöglicht sie ihnen die Flucht. Aber nicht nur Celaena spielt ein gefährliches Spiel, auch ihre Verbündeten Nehemia und Prinz Dorian von Adarlan haben ihre Geheimnisse. Klingt erstmal ganz spannend und ich muss zugeben, dass sich das Tempo, die Spannung, die Handlung und die Charakterzeichnung im Vergleich zum ersten Band ein wenig verbessert hat, Celaena verhält sich in ein paar Szenen mal wirklich wie eine Assassine und es gibt auch eine Erklärungen zur Magie und Geschichte der Welt Erilea. Aber dennoch gibt es wie schon im ersten Band zu viele Widersprüche, zu viele Lücken, zu viel Geplänkel um aus Kriegerin im Schatten eine runde Fantasy-Geschichte zu machen.

Schwachpunkt #1: Celaena Sardothien. Es ist mir immer noch ein Rätsel, warum Sarah J. Maas aus ihrer Protagonistin eine Assassine gemacht hat. Warum wählt sie eine Anti-Heldin, um sie dann als Heldin darzustellen, anstatt Celaena einfach eine Anti-Heldin sein zu lassen, eine richtige Assassine, die sich dann nach und nach in eine Heldin verwandelt? Dann würde es mir auch nicht mehr so schwer fallen Celaena auch als solche zu sehen und mich nicht ständig zu fragen, wie jemand ohne Scharfsinn, Arglist und Selbstdisziplin die ALLERbeste Assassine der Welt werden konnte. Noch dazu ist Celaena so unentschlossen, sie lebt frei nach dem Motto: "Was du heute kannst besorgen, das verschiebe lieber auf übermorgen...". Sie geht den Dingen nicht auf den Grund, überlässt lieber jemand anderem die Arbeit. Sie sieht sich selbst als Kämpferin, die weiß was Recht und Unrecht ist, ist aber nur an ihrem eigenen Wohl interessiert. Alles, was mit Verantwortung zu tun hat, scheint ihr zu viel zu sein. Egoistisch verfolgt sie ihre eigenen Ziele, die sie eigentlich nicht hat ... Vielleicht sind die aber auch lange schlafen, spät frühstücken und schöne Kleider shoppen gehen. 
 
Schwachpunkt #2: Die Liebesgeschichte. Wie schon im ersten Band ist Celaena viel zu sehr damit beschäftigt sich über ihre eigenen Gefühle gegenüber Captain Chaol Westfall klar zu werden (was gewisse Ähnlichkeiten mit Katy aus Obsidian hat), dass alle anderen guten Ansätze und spannenden Aspekte von der faden und langweiligen Liebesgeschichte erdrückt werden.

Das geht auch auf Kosten der anderen Nebenfiguren. Nehemia ist nach wie vor meine Lieblingsfigur aus Throne of Glass und überraschenderweise ist auch Dorian durch einen kleinen, aber feinen Plot-Twist interessant geworden. Und trotzdem bleiben die Charaktere wieder in ihren vorgezeichneten Rollen stecken: Celaena ist zu perfekt, Dorian trotz des Twists zu zurückhaltend und kleinlaut, Chaol zu pflichtbewusst und loyal. Das macht sie flach und oft auch unsympathisch. Jeder Charakter hat eine Eigenschaft, die so stark fokussiert ist, dass fast alle anderen zur Seite geschoben werden und die Figuren dadurch eher wie Karikaturen wirken als lebensecht. Sogar Nehemia ist so nobel, dass sie fast unmenschlich ist.

Schwachpunkt #3: Der Plot. Für die knappen 550 Seiten hätte Kriegerin im Schatten mehr bieten müssen, um mich restlos zu fesseln. In vielen Dingen wiederholt sich die Handlung aus dem ersten Band. Es steht wieder die Liebesgeschichte im Vordergrund, wenn auch nicht so anstrengend wie sie in noch Die Erwählte war. Wenn Celaena etwas Verdächtiges bemerkt, lässt sie es schnell wieder links liegen und verschiebt es auf später. Es gibt wieder ein Monster zu bekämpfen (Warum auch immer die ständig auftauchen?) und ein Rätsel zu knacken, dass von vornherein eigentlich schon gelöst ist, wenn man ein bisschen nachdenkt. Die Kampfszenen sind recht gut geschrieben, aber wenn Celaena endlich auftritt wie eine Assassine, dann wird es im Nachhinein wieder abgeschwächt, um ihre reine Moral ja nicht zu verunreinigen. Dabei ist sie als wirkliche Anti-Heldin so viel tougher und faszinierender als ihr Alter Ego als Möchtegern-Prinzessin. Der Plot ist einfach viel zu sehr gestreckt und das kann auch der ziemlich vorhersehbare Twist am Ende nicht retten.

FAZIT

Kriegerin im Schatten hat sich im Gegensatz zum Auftakt von Throne of Glass ein wenig gesteigert, kann aber immer noch nicht überzeugen. Die ganze Handlung wird (wahrscheinlich aus Gründen des Profits) extrem auseinander gezogen und reicht einfach nicht, um auf 550 Seiten ein spannendes Fantasy-Abenteuer zu bieten. Celaena würde als wirkliche Anti-Heldin eine viel bessere Figur machen und obwohl sie für den dritten Band Rifthold (endlich) verlässt, weiß ich nicht, ob ich sie weiter auf ihrer Reise begleiten möchte. 



! SPOILER ! SPOILER !

Nehemias Tod war ein Schock und ich weiß nicht, wie ich ihn bewerten soll. Einerseits war er gut, um Celaena eine verletzliche Seite und mehr Tiefgang zu geben, andererseits war die Art und Weise wie sie gestorben ist einfach unnötig und überzogen. Und ich finde es zudem sehr bedenklich, dass die einzige zentrale, farbige Figur sterben musste, um den hellhäutigen Helden die Chance zu geben sich tatsächlich endlich wie Helden zu verhalten...

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